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Neugraben Online – Wir sind Neugraben

2. April 2014

Neugraben im Jahr 2030 (2)

Ein Rückblick auf das Treffen zur Zukunft des Lebens im Stadtteil


Es ist schon eine Weile her, als sich Anwohner, Vereine und Einrichtungen aus dem Stadtteil in der Michaeliskirche getroffen haben, um über längerfristige Entwicklungen nachzudenken.

Eingeladen hat Daniel Boedecker von der steg, Gastgeber war Pastor Christoffer Sach, der auch einleitend seine Erfahrungen im Austausch mit den Menschen vor Ort wiedergab und versuchte, wichtige Bedürftnisse sowie Ansprüche an das Leben im Stadtteil herauszufinden.

Der zentrale Gesprächspunkt war so auch schnell geprägt: Das Karstadt-Gefühl. Ein seltsamer Begriff, der aber die Problematik gut umreißt. Die Älteren unter den Jüngeren könnten sich an Karstadt noch bewusst erinnern. Es wurde nach der Schließung 2006 von Kaufland ersetzt.

Und es war anders als Kaufland. Nicht so grell und kühl, teurer, ein anderes Konzept. Das Karstadt-Gefühl ist ein Wort für den Eindruck, dass man bei Karstadt ohne Eile und Zwang bummeln konnte, Leute treffen, entspannen. Kaufland wirkt dagegen eher wie ein vor allem funktionales Konsum-Fließband. Der Name allein sagt schon alles. Die paar Untermieter im Kassenbereich ändern daran wenig.

Diese alten Zeiten scheinen die Neugrabener zu vermissen. Sicher verfärbt die Erinnerung die Tatsachen ein bisschen, aber in der Tat fehlt im Ortskern dieser zentrale, große, immer zugängliche (und auch bei schlechtem Wetter angenehme) Platz, an dem man zwar einkaufen und essen kann, es aber nicht zwingend muss – nicht jeder hat das Geld oder das Bedürftnis – vor allem aber am öffentlichen Leben teilhaben darf. Die Summe der vielen Läden in der Marktpassage kann das in dieser Form wohl nicht. Sie bieten zwar alle erdenklichen Waren an, sind aber in sich abgeschlossene kleine Einheiten, wo man nur bestimmten Leuten über den Weg läuft, dort aber auch nur zu einem Zweck ist und sich meist nicht allzu lange aufhält. Und draußen in der Fußgängerzone wird es schnell kühl und zugig.

Bleibt noch der Markt, aber auch nur an zwei Vormittagen in der Woche. Generell steht es eher mau um dem Handel in Neugraben. Läden schließen, speziell für jüngere Leute sind sie entweder nicht interessant (gleich zwei Hörgeräteverkäufer!) oder unerschwinglich, vieles bekommt man im Internet oder wo anders für weniger und mit größerer Auswahl.

Die Gruppe hatte keine endgültige Antwort zu diesem schwierigen Thema, aber der Wunsch nach einem zwanglosen Treffpunkt war eindeutig. Eine Art Bürgercafé ohne Konsumzwang und für Interessierte schülerfreundlichen Preisen könnte es sein. Wo und wie ist unklar. Das SEZ hat zwar viele Leerstände, ist aber gerade wegen der Betriebskosten (Heizung, Strom, Reinigung) sehr teuer für ein Unterfangen, das nicht auf hohe Erlöse ausgelegt ist. Am Süderelbering 3 soll eine kleine Lobby im Stil des Striepensaals entstehen, das wäre vielleicht eine Möglichkeit.

Ein zweites wichtiges Thema war die Kommunikation im Stadtteil. Neugraben hat eine sehr reiche Vereinslandschaft, soll heißen: Viele Menschen tun sich zusammen, um gemeinsam ihren Interessen zu folgen. Nur, sie tun es in kleinen, geschlossenen Gruppen, die nur wenige Schnittstellen zu ihrer Umwelt haben. Das macht es für Neuankömmlinge wie die Bewohner des Neubaugebiets hinterm Bahnhof schwierig, sich einzufügen und einzubringen und hilft nicht unbedingt gegen den Eindruck, dass in Neugraben tote Hose herrscht.

Dem ist eigentlich ziemlich einfach abzuhelfen: Die Vereine könnten sich mehr austauschen, sich gegenseitig besuchen. Das hilft, Informationen auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Vertreter des FalkHus und des Bürgervereins haben sich dafür ausgesprochen und es ist zu hoffen, dass demnächst der erste "Austausch" stattfindet.

Was machen die Leute, die in keiner Gruppe unterwegs sind, die kaum jemanden kennen? Sie müssen sich auf öffentlich zugängliche Information stützen. Da gibt es beispielsweise die kostenlosen regionalen Zeitungen wie den Neuen Ruf oder das Elbe Wochenblatt, die wöchentlich im Briefkasten landen. Manchmal findet man etwas im Internet, wenn man etwas Geduld aufbringt, dazu hatte ich schon geschrieben. Auch wir versuchen mit Neugraben Online, einen kleinen Beitrag zu leisten, aber es ist mühsam.

Eine Idee, wie man aktuelle Informationen und Meldungen aus dem Stadtteil zusammentragen könnte, wäre beispielsweise, dass alle, die irgend etwas schreiben – z.B. Vereine, Journalisten, Anwohner mit eigenen Blogs – ihre Inhalte in einem standardisierten Format wie RSS oder Atomins Internet stellen. Kennt man die Quelle, also den Link zum so genannten Feed, kann man Veröffentlichungen am Computer verfolgen, ohne regelmäßig die Seite der Autoren besuchen zu müssen, und auch Inhalte filtern, die beispielsweise nur mit dem Stadtteil oder einem Bestimmten Thema zu tun haben. Bei Neugraben Online arbeiten wir daran, neue Artikel auch als Feed anzubieten. Diesbezüglich möchte die steg ein Treffen der Neugrabener Webmaster organisieren, um die Möglichkeiten einer gemeinsamen Strategie zu überlegen.

Wer sich für mehr Vernetzung des Stadtteils und für besseren Zugang zu Informationen engagieren und auch etwas über die Technologie dahinter lernen möchte, ist herzlich eingeladen, bei Neugraben Online mitzumachen! Gerne lesen wir auch eure Meinung zu diesem Thema in den Kommentaren.

Valentin

Tags: Freizeit Politik Stadtteil

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