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Neugraben Online – Wir sind Neugraben

14. Mai 2014

Neugraben Fairändern

Bei der Fairtrade-Initiative Neugraben Fairändern ist immer viel los. Passend zur WM wird gerade viel zum Thema Brasilien veranstaltet. Wir waren dort und berichten.


Antje Kurz veranstaltet mit Neugraben Fairändern Workshops und Kurse zu Themen rund um den fairen Handel. Aktuell ist Brasilien im Fokus. So genannte Botschafter aus dem Land - zumeist Studenten - vermitteln für Schulklassen, Konfirmandengruppen und Vereine die Hintergründe des weltweiten Handels und die Möglichkeiten, an den Verhältnissen etwas zu ändern.

Drei Themen werden momentan bearbeitet: Straßenkinder, Armut und Entwicklung sowie Fairer Handel. Mehrere Unterrichtseineiten für Schüler ab der 6. Klasse sind geplant. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird als Anlass genommen, die gesteigerte Aufmerksamkeit für das Land auch auf die Probleme zu lenken, die damit einhergehen und darüber aufzuklären.

Giordana Silva und Antje Kurz im Fairkauf

Giordana Silva ist eine dieser Botschafterinnen. Sie kommt aus Brasilien, aus Belem im Bundesstaat Para im Norden des Landes. Sie erzählt, dass obwohl ihre Heimat geografisch in der Nähe des Amazonas-Deltas liegt, sie den großen Fluss aufgrund der Entfernung zu ihrem Wohnort noch nie gesehen hat. Brasilien ist ein riesiges Land, etwa 24x so groß wie Deutschland. Sie lebt seit 6 Jahren in hier und studiert auf Lehramt. Heute erzählt sie uns, was die WM in ihrer Heimat verändert.

Während Fußball und die WM hier Begeisterung auslöst, stehen viele Bewohner der großen Städte in Brasilien vor großer Not. Ein drastisches Beispiel sind die Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben werden, damit Parkplätze für Touristen und Zuschauer gebaut werden können. Die ehemaligen Bewohner bekommen zwar Entschädigungen, müssen dann aber weit außerhalb am Rand der Städte eine neue Bleibe finden. Dort gibt es aber kaum Arbeit und daher wenig Geld. Gleichzeitig werden öffentliche Verkehrsmittel und Lebensmittel teurer. Dagegen wird protestiert, bei den Unruhen sind auch schon Leute gestorben.

Andererseits bringen Touristen und Konzerne viel Geld nach Brasilien, aber davon profitieren eher die Reichen - Bauunternehmer, Eigentümer von Hotelketten, große Firmen. Kleine Händler, die ebenfalls mit den Gästen Geschäfte machen könnten, werden systematisch ausgeschlossen.

"Heute kann man das alles in den Medien verfolgen, aber wenn die WM erst einmal beginnt, wird darüber nicht mehr berichtet", sagt Giordana. "In Brasilien wird das Fernsehen von reichen Leuten beherrscht, die haben kein Interesse an schlechten Nachrichten, wenn es um so viel Geld geht."

Wir fragen uns: Warum ist Brasilien so wichtig für Deutschland? Brasiliens Wirtschaft wächst sehr schnell. Von dort kommen unheimlich viele Rohstoffe und Produkte in die ganze Welt, auch nach Europa und Deutschland. Vor allem handelt es sich um Lebensmittel. 80% der Orangen in Orangensäften, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Brasilien, hat Antje Kurz recherchiert. In ganz Europa sind es sogar 90%. Die meisten Leute haben also etwas mit dem südamerikanischen Staat zu tun, wenn sie alltägliche Dinge kaufen. Einige andere Beispiele sind exotische Früchte wie Papaya, Maracuja oder Cashews und Kaffee. Eher unsichtbar für den Verbraucher ist Soja, welches ebenfalls in die ganze Welt aus Brasilien exportiert wird und vor allem als Tierfutter dient und sehr viele Probleme verursacht. Für den Anbau werden nämlich riesige Waldflächen zerstört.

Das ist genau, worum es bei Neugraben Fairändern geht. Das Logo zeigt eine grüne Weltkugel und ein rotes Puzzleteil. "Jedes mal, wenn wir etwas essen - wenn es nicht gerade der Apfel aus dem Alten Land ist - haben wir schon mit dem Rest zu der Welt zu tun", sagt Antje Kurz. Das Problem sei, dass viel Ungerechtigkeit bei der Produktion aller möglichen Dinge besteht. "Und wenn wir diese ungerecht hergestellen Produkte kaufen, unterstützen wir diese Ungerechtigkeit."

Fairer Handel heißt, dass beispielsweise Bauern ordentlich für ihre Arbeit bezahlt werden und ihre Kinder zur Schule schicken oder Medikamente kaufen können, wenn jemand krank wird. Dieser für uns selbstverständliche Wohlstand ist vielen von denen, die durch ihre Arbeit dazu beitragebn, aber nicht gegeben.

Neugraben Fairändern bietet neben zahlreichen Informationsveranstaltungen auch Fairtade- und Bioprodukte im Laden an

Wie man selbst etwas ändern kann, indem man bewusst Produkte aus dem fairen Handel kauft, kann man bei den vielen Informationsveranstaltungen von Neugraben Fairändern erfahren. Für Vereine und Schulen in Neugraben sind Workshops der vielen Botschafter und Experten sogar kostenlos, denn sie werden von gemeinnützigen Trägern wie der Michaelisgemeinde finanziert. Das Team von Neugraben fairändern veröffentlicht regelmäßig ihre Termine auf deren gut gepflegter Website www.neugraben-fairaendern.de.

Demnächst, am 14. Mai um 19 Uhr im Fairkauf (SEZ), gibt es zum Beispiel einen Vortrag zum Thema Kaffee unter dem Titel "Bin ich fair? Kaffee ohne Beigeschmack". Wie die meisten Aktionen richtet sich das Ganze eher an Erwachsene. Was für jüngere gibt es aber auch. Giordana kocht am Freitag den 13. Juni eine brasilianische Spezialität in der Jugendfreizeitlounge. Alle können kommen, um 15 Uhr geht es los.

Ihr könnt aber auch selbst mitmachen und die Welt ein bisschen verbessern. Neurgaben Fairändern sucht immer Jugendliche, die gerne mithelfen und zum Beispiel Flyer verteilen oder Stände betreuen. Über frühere und geplante Veranstaltungen kann man sich im Fairkauf im SEZ informieren und auch selbst fairtrade-Produkte probieren. Die fair gehandelten Kekse zum Roiboos-Tee bei unserem Gespräch mit Antje und Giordana haben uns jedenfalls sehr gefallen.

Marie und Valentin

Tags: Freizeit Politik Stadtteil

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